Südamerikanisches Öl ohne sicheren Hafen

Schon seit Monaten fahren vollbeladene Öltanker mit Rohöl aus Venezuela auf den Weltmeeren umher, ohne Ziel. Denn die Frachten wurden verschickt, ohne dass ein Käufer feststeht. Grund sind die strengen Sanktionen auf dem südamerikanischen Land, die Ölgeschäfte mit Venezuela fast unmöglich machen. Nun wird das „schwarze Gold“ zum „Schwarzen Peter“ und von einem zum anderen geschoben.

 

US-Sanktionen und Strafverfolgung

Seit Jahren ist die politische Situation in Venezuela angespannt und gipfelte 2019 in einen Putschversuch. Auf der einen Seite steht Präsident Nicolas Maduro, der seine Macht nicht abgeben will und auf der anderen die Opposition, angeführt vom selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaido. Dieser erhielt von Anfang an die Unterstützung der USA und vieler anderer westlicher Staaten, konnte sich aber bisher nicht gegen Maduro durchsetzen.

 

Als wirksames Druckmittel haben die USA zahlreiche Sanktionen gegen das Südamerikanische Land verhängt, die auch die Ölindustrie des Landes treffen. So ist, außer zur Tilgung von Schulden oder um Lebensmittel zu zahlen, der Handel mit venezolanischem Rohöl untersagt. Aus Angst davor, in den Fokus der amerikanischen Behörden zu geraten, scheuen die meisten Unternehmen davor zurück, selbst diese Geschäfte einzugehen.

 

So kommt es, dass knapp 20 Millionen Barrel venezolanisches Rohöl auf den Weltmeeren vom einen zum anderen Hafen geschickt werden, teilweise mit dem Versuch, die Herkunft des Rohstoffs zu verschleiern. Mit dem Einbruch der weltweiten Nachfrage nach Rohöl aufgrund der Coronapandemie ist die Bereitschaft, die heiße Ware aus Venezuela abzunehmen, noch weiter gesunken.

 

Kosten stapeln sich weiter

Doch es besteht nicht nur das Problem der fehlenden Einnahmen. Es fallen Lager- und Transportkosten an, um das ungewollte Öl zu befördern. Ca. 30.000 Dollar pro Tag werden fällig, alleine um die Liegegebühren für die Tanker zu zahlen. Ein denkbar schlechtes Geschäft. Sofern kein Käufer gefunden wird, werden diese Supertanker vermutlich weiter auf offener See auf der Suche nach einem sicheren Hafen bleiben.

 

Für Venezuela eine Katastrophe, denn das Land leidet seit Jahren schon an Versorgungsengpässen und grober Misswirtschaft seitens der Regierung. Die Armut im Land war einer der Gründe, warum es 2019 zum Putschversuch kam. Dabei ist Venezuela das ölreichste Land der Welt. Jedoch ist die Ölindustrie durch jahrzehntelange Unterinvestitionen so marode, dass die Ölförderung über die letzten Jahre fast vollständig eingebrochen ist.

Quelle: www.futures-services.com